GGL plant strengere Bonuswerberegeln und Einzahlungsobergrenzen für lizenzierte deutsche Online-Casinos
14 Oktober 2026
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat einen umfassenden FAQ-Katalog zur Online-Glücksspielwerbung veröffentlicht, der die Grenzen für Marketing, Boni und Spielerschutz weiter verschärft. Das Dokument vom 30. September 2024 gibt zwar Klarheit zur Werbung für erlaubte Glücksspiele, setzt jedoch strikte Leitlinien zum Schutz gefährdeter Personengruppen und zur Bekämpfung von Spielsucht.
Was die GGL mitteilte
Der FAQ-Katalog stellt klar, dass Werbung zwar erlaubt ist, sich aber eindeutig im gesetzlichen Rahmen bewegen muss. Zwar sind nur das Gesetz und die Lizenzbedingungen rechtlich bindend, doch die FAQ bieten wertvolle Interpretationshilfen. Glücksspielanbieter sind dafür verantwortlich, dass ihre Werbung nicht Minderjährige oder Risikogruppen anspricht, Risiken verharmlost, unnötigen Zeitdruck erzeugt oder Glücksspiel als Lösung finanzieller Probleme darstellt.
Für Werbung für virtuelle Spielautomaten, Online-Poker und Online-Casino-Spiele gilt tagsüber von 6 bis 21 Uhr auf allen Medienplattformen – sowohl im Rundfunk als auch online – ein Verbot. Dies umfasst soziale Medien, Streaming-Dienste und Direktmarketing-Kanäle wie E-Mails oder Push-Benachrichtigungen, die zusätzlichen Beschränkungen unterliegen.
Direktwerbung muss einen einfachen Opt-out-Mechanismus bieten. Unerlaubte Nutzung von Kundendaten ist untersagt, und Anbieter müssen transparent darlegen, wie und warum Kundendaten verwendet werden. SMS-Marketing ist gänzlich verboten.
Die strengeren Werberegeln gelten für Spielautomaten und Poker, nicht jedoch für Sportwetten – eine Unterscheidung, die dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 zwischen Online-Casino-Spielen und virtuellen Spielautomaten entspricht.
Obwohl der FAQ-Katalog nicht verbindlich ist, zeigt er die Durchsetzungsprioritäten der GGL auf. Die Aufsichtsbehörde betrachtet Streams, Affiliate-Partnerschaften und Influencer-Marketing potenziell als Werbung, die zu Strafen führen kann.
So verweist der FAQ auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt von 2024, das einen Stream als Werbung für nicht lizenziertes Glücksspiel einstufte – selbst wenn der Streamer beteuerte, es handele sich um privaten Content. Die GGL-Definition von Werbung basiert auf einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 2022.
Erlaubte und verbotene Werbeinhalte
Boni sind weiterhin erlaubt, müssen aber wesentliche Risikohinweise enthalten. Einzahlungen sind begrenzt, und wenn ein Bonus 20 Euro übersteigt, steigt die Obergrenze auf 20 %. Diese Maßnahmen sollen Spielsucht eindämmen und übermäßige Ausgaben verhindern.
Online-Casinos dürfen keine Inhalte nutzen, die Glücksspiel verharmlosen, es als Lösung für Geldprobleme darstellen oder unerwünschte Nachrichten auf den Geräten der Nutzer platzieren. Erfahrungsberichte sind ebenso verboten wie Werbung während Sportübertragungen oder Sendungen, die sich an Minderjährige richten.
Streamer und Influencer müssen bezahlte Inhalte klar kennzeichnen, doch dies hindert die GGL nicht unbedingt daran, sie dennoch als Werbung einzustufen.
Das Werbeverbot von 6 bis 21 Uhr
Das Tageszeit-Verbot soll Minderjährige und Risikogruppen schützen. Dies spiegelt deutsche Gesetze wider, die auch Werbung für Alkohol, Tabak, Waffen und Glücksspiel tagsüber beschränken.
Für Online-Casinos bedeutet dies: Keine TV- oder Online-Werbung, keine Außenwerbung und nicht einmal Social-Media-Aktivitäten am Tag. Es umfasst gesponserte Hashtags und ähnliche Aktionen – selbst wenn Influencer behaupten, es handele sich nicht um Werbung.
Die Durchsetzung könnte auf andere beliebte Medien ausgeweitet werden. So untersagte die Bayerische Landesmedienanstalt kürzlich Sportwettenwerbung im öffentlichen Nahverkehr.
Wie die GGL mit Streams, Affiliates und Social-Media-Inhalten umgeht
Streamer und Influencer betonen häufig, ihr Content sei rein privat. Doch die GGL argumentiert, dass bereits eine substantielle Vergütung Inhalte als Werbung definiert – selbst wenn sie über mehrere Streams verteilt ist.
Social-Media-Promotionen können unseriöse Praktiken beinhalten. Der FAQ nennt Fälle, in denen Influencer Zahlungen verschleierten und die Präsenz von Glücksspielprodukten in angeblich privaten Inhalten minimierten.
Die GGL prüft sogar selbstdeklarierte Erfahrungsberichte, etwa wenn ein Spieler auf Twitter über seinen Jackpot berichtet – besonders bei bestehender Geschäftsbeziehung zum Anbieter.
Daher verzichten Betriebe zunehmend darauf, Content-Schaffende direkt mit virtueller Währung oder ähnlichen Anreizen zu entlohnen.
Auswirkungen auf lizenzierte Anbieter und Verbraucher
Lizenzierte Anbieter stehen vor komplexen Herausforderungen, werbefreundliche Botschaften regelkonform zu gestalten. Compliance-Experten warnen, dass Lizenznehmer Grauzonen vorsichtig interpretieren sollten.
Der FAQ-Katalog könnte Startups Bürokratie ersparen, da die GGL Anträge mit jüngsten Verstößen schneller bearbeiten könnte.
Für Verbraucher könnten klarere Bonusangaben Spielsucht reduzieren. Kritiker bezweifeln jedoch, ob die Maßnahmen ausreichen. Manche befürchten, dass Werbebeschränkungen zu aggressiverer Abendwerbung und verstärktem Content-Marketing durch Influencer führen.
Was kommt als Nächstes?
Die Wirkung des FAQ hängt von der Durchsetzung ab. Da der GGL direkte Befugnisse gegenüber Content-Erstellern fehlen, bräuchte es klare Regelungen, um lizenzierte Seiten für Influencer-Inhalte haftbar zu machen.
Doch der Fokus der GGL auf soziale Medien und Influencer-Marketing wächst. Lizenzierte Anbieter sollten den FAQ genau studieren und sich auf strengere Compliance-Prüfungen vorbereiten.
Für nicht lizenzierte Seiten könnte der Druck auf Influencer sie dazu zwingen, sich von regelwidrigem Content zu distanzieren. Manche Betreiber könnten Anreize schaffen, um Einschränkungen auszugleichen.
Akademiker und Branchenanalysten sollten beobachten, wie Aufsichtsbehörden einflussreiche Inhalte bewerten und ob Affiliate-Provisionen als Werbekriterium gelten.
Zwar ändert der FAQ nicht das bestehende Recht, doch er bietet Spielern und Werbetreibenden neue Orientierung im deutschen Regulierungsumfeld. Strengere Glücksspielregeln sind ein bewährtes Mittel gegen Jugendglücksspiel, doch bleiben Durchsetzungshürden bestehen.